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food.de

Wir haben uns mit Karsten Schaal (42), Gründer von food.de getroffen und mit ihm über das Neugründen im Bereich E-Commerce, Online-Supermärkte und die Leipziger Startup-Szene unterhalten.

Karsten ist Gewohnheitsgründer, denn vor food.de hatte er bereits dreimal auf sehr unterschiedliche Weise Unternehmen im Bereich des E-Commerce gegründet. Mit einer Multimedia Agentur für Online Marketing fing alles an.

Erste Versuche im Online-Bereich

Seinen Kunden war die Idee des Online Marketing damals noch wenig geläufig  und der Kundenwunsch fokussierte stattdessen auf den Aufbau von Onlineshops. Die Erwartungshaltung der Kunden bezüglich der Profitabilität von Onlineshops war dabei grenzenlos und galt als Selbstläufer. Um den Fehler dieser Gleichung aufzuzeigen, gründete Karsten selbst einen Onlineshop im Segment des Extremsports. Wider Erwarten lief dieser allerdings sehr gut.

Wermutstropfen und Ende der Unternehmung waren, so Karsten rückblickend, das er nicht rechtzeitig in das Wachstum investierte bzw. keine kapitalen Investoren dazu holte. Niedriger Bestand und kleine Lager bedingten, dass der Sprung zum millionenschweren Unternehmen nicht gelang.

Den Onlineshop löste bald die Idee einer Sponsoring Plattform ab, auf der Vereine für sich und ihre Attraktivität für Sponsoren werben konnten. Das Ende für diese Plattform war, dass beim Sponsoring ganz eigene Strukturen und Regeln vorherrschen, die sich einer Plattform verschließen. Als erfahrener Unternehmer akzeptierte er dies und suchte sich stattdessen eine andere Herausforderung.

Ein Online-Supermarkt aus Leipzig

Im Sommer 2010 entwickelte er die Idee allen Skeptikern und Marktriesen wie Amazon zum Trotz, einen Online Supermarkt ins Leben zu rufen. Einige, die zur gleichen Zeit sich auch an dieser Aufgabe versuchten, scheiterten daran, was kaum verwundert, da Online-Supermärkte zu den schwierigsten Bereichen des E-Commerce gehören. Er glaubt an die Rentabilität der Unternehmung, da er - wie er sagt - aus den Fehlern der anderen gelernt hat. Aber auch Investoren aus Leipzig und Berlin glauben an food.de und investierten Millionenbeträge. Nach einer kurzen Zeit in Berlin, ist food.de wieder in Leipzig ansäßig und beliefert heute 32 Städte in ganz Deutschland von Leipzig aus.

Mit food.de stand Karsten auch kurz vor dem Traum-Exit: Ein Käufer bot für den Onlinesupermarkt 16 Millionen, zog allerdings im letzten Moment sein Angebot zurück und verpasste damit selbst die Chance rechtzeitig in diesen Markt einzusteigen. Die gerade anlaufende Kooperation mit einer Supermarkt-Kette dagegen verläuft vielversprechend. Der Großkonzern und food.de ergänzen sich gut und könnten zusammen eine wesentlich größere Reichweite lokal als auch online erreichen, als einzeln möglich.

Über die Zukunft des Segments des Online-Supermarkts sagt Karsten, dass die Zahlen steigen, aber generell die Marge bei Lebensmittel gering ist und neue Wege gedacht werden müssen. So nimmt er an, dass die Nachfrage nach zusammengestellten Food Boxen & Abo Boxen steigen wird und Online Händler von Lebensmitteln verstärkt Bezug auf die individuellen Ernährungspläne der Menschen nehmen werden.

Gründen in Leipzig - Vor- & Nachteile

Auf die Frage, ob er wieder gründen würde, folgt ein entschlossenes Ja - allerdings würde er es anders angehen. Denn nicht nur die Erfahrungen aus vier Unternehmensgründungen fallen in die Waagschale, auch seine sich veränderten Lebensumstände. Als Papa in einer fünfköpfigen Patchwork-Familie haben Aspekte wie Absicherung, Sicherheit und Zeit an Relevanz gewonnen. Aspekte, von denen er sagt, dass sie sehr sein Verhalten geändert haben. Entscheidungen, die er früher noch spontan und risikofreudig getroffen hätte, betrachtet er heute eher unter dem Aspekt der damit verbunden Konsequenzen.

Für eine Neugründung stehen des Weiteren die besten Leute auf seiner Wunschliste und die Erkenntnis nicht klein zu denken. Generell schätzt er allerdings die Zeit für Neugründungen als schwierig ein. Die wirtschaftliche Lage ist gerade zu gut und es muss keine Krise überwunden werden. Die Umstände zwingen nicht dazu kreativ zu werden und zu gründen. Aber die nächste Startup Hochphase kommt bestimmt. Ob man in Leipzig oder Berlin gründet - beides hat seine Vor- und Nachteile. Die Startup Szene Berlin hat natürlich einen besseren Ruf, was kaum verwundert, da doch viele Gründer die Vorteile der Hauptstadt für sich nutzen wollen. Zugleich merkt Karsten aber auch an, dass die Berliner Szene sehr geschlossenen ist und selten Newbies willkommen heißt. Die Leipziger Startup Szene ist dagegen eher offen und aufgeschlossen, dafür weit weniger finanzstark. Leipziger Gründer zeigen ein wesentlich größeres Interesse an der gegenseitigen Unterstützung und fokussieren stark auf den Mehrwert und Reinvestitionen.

 

Nachgefragt bei Karsten Schaal, Gründer von food.de

Seit wann bist du in Leipzig?

Ich bin Urleipziger

Warum gerade Leipzig?

Das schönste an Leipzig ist die Größe der Stadt, da man immer noch Freunden und Bekannten auf der Straße begegnet und ins Gespräch kommen kann.

Dein Leipzig-Geheimtipp?

Wenn Besuch da ist, mach ich gerne kleine Sightseeing-Touren durch Leipzig. Start ist immer der Aussichtsturm im Rosenthal. Ich zeige auch gerne die alten Industriebauten der Stadt und den Grassi-Friedhof. Generell kann ich sehr den Spinnerei-Rundgang empfehlen.

 

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